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Maghrebinischer Kulturabend zum Weltfrauentag 2026

Es ist nie zu spät! Insbesondere nicht, wenn es um die Würdigung von Frauen geht. Da der Weltfrauentag am 8. März 2026 in die Hamburger Frühjahrsferien fiel, feierte das Maghreb-Haus e.V. den Weltfrauentag mit einem bunten Programm rund um Frauen aus dem Maghreb und im Einsatz für Frauen aus dem Maghreb am 14. April 2026 einfach nach.

Wie immer bei Veranstaltungen des Maghreb-Haus e.V. wurden die Gäste gemäß der algerischen Tradition mit frischem Pfefferminztee begrüßt. Dazu stimmten algerisch-andalusische Klänge von Rachid Haroun und seinem Ensemble sowie – parallel zur Veranstaltung – Gemälde mit Impressionen aus seiner Heimat des algerischen Künstlers Yassini Hassini im Saal und auf der Leinwand auf einen maghrebinischen Abend ein.

Nach einer kurzen Vorstellung des Programmablaufs durch Vorstandsmitglied Jutta Höflich begrüßte der Vorsitzende Dr. Djelloul Aroui die zahlreichen Gäste, unter ihnen der tunesische Konsul Herr Nizar Jebabli, und erinnerte an den Mut und die Verdienste maghrebinischer Frauen wie die Königin der Berber Kahina (ca. 688-703), auch bekannt als Dahia, und Laila Fatma N’Soumer (ca. 1830-1863), die mutig zu Waffen griffen, um ihr Land zu verteidigen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dieser weiblichen Wirkungskraft sei auch Fatima al Fihri (ca. 800 bis ca. 880): sie stammte aus Tunesien und gründete im Jahr 859 in Fès die Universität al-Qarawiyyin, die laut UNESCO die älteste kontinuierlich betriebene Universität der Welt gilt. Dieser Ort galt als intellektuelles Zentrum für Persönlichkeiten wie Papst Silvester II., Maimonides, Al Idrisi oder Léo Africains. So haben auch Frauen aus dem Maghreb einen erheblichen Anteil an dem Einfluss maghrebinischer Kultur auf europäisches Denken gehabt. Abschließend sprach er allen Frauen, die täglich, im Kleinen wie im Großen, unsere Gesellschaft tragen. die Opfer von Krieg, Gewalt und Diskriminierung werden, weltweit und auch in Deutschland seine Bewunderung und Solidarität aus und übergab das Wort an Vorstandsmitglied Jutta Höflich.

8. März – Historie und Bedeutung des Internationalen Frauentages

Zu Beginn des Programmpunktes nahm Jutta Höflich die Gelegenheit wahr, auf den Anlass des Abends, den Internationalen Frauentages am 8. März, einzugehen. Auch wenn es allgemein bekannt sei, dass der Weltfrauentag dazu diene, die Errungenschaften von Frauen in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik zu würdigen sowie auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam zu machen und für eine gerechtere Welt einzutreten, sollte die Historie noch einmal in Erinnerung gerufen werden.          

So entstand der Weltfrauentag als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen. Erstmals fand der Frauentag am 19. März 1911 statt. 1921 wurde sein Datum durch einen Beschluss der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau endgültig auf den 8. März gelegt.

Dieses Datum wählten auch die Vereinten Nationen (UN) im internationalen Jahr der Frau 1975 zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ und richteten dazu erstmals am 8. März 1975 eine Feier aus. Mitte 1975 wurde dann in Mexiko-Stadt die erste UN-Weltfrauenkonferenz abgehalten und es folgte die „UN-Dekade der Frau“ (1976–1985).

Heute ist der 8. März in 27. Ländern ein Feiertag, davon in drei Ländern – in der Volksrepublik China, in Madagaskar und in Nepal nur für Frauen. In Europa ist Deutschland das einzige Land, in dem der 8. März zumindest in zwei Bundesländern, in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern, ein Feiertag ist. Die Maghreb-Länder sind nicht in der Liste. Dennoch hat der 8. März auch in Algerien, Marokko und Tunesien eine vielschichtige Bedeutung, die zwischen politischem Kampf, kultureller Feier und der Auseinandersetzung mit patriarchalen Strukturen liegt.

Es folgte eine genauere Betrachtung der Bedeutung des Weltfrauentages im einzeln.

Der Weltfrauentag in Algerien

Während des Internationalen Frauentages am 8. März genießen Algerierinnen freie Fahrt in öffentlichen Transportmitteln sowie freien Eintritt in nationalen Museen, und in den großen Städten laden Hotels zu Feiern ein. Doch bei aller Fröhlichkeit wird der 8. März auch als politischer Kampftag begangen, insbesondere seit der großen Demonstration am 8. März 1980 gegen die Einschränkung der Frauenmobilität. Bei nationalen Debatten zur Gleichstellung der Geschlechter ist das 1996 von Algerien ratifizierte CEDAW-Übereinkommen immer wieder Thema. Bis August 2025 hielt Algerien an einem Vorbehalt zu Artikel 15(4) fest und verwies dabei darauf, dass er im Widerspruch zur Tradition und zum Familiengesetzbuch stehe – besonders zum inzwischen aufgehobenen Artikel 37, der die Wahl des Wohnsitzes regelte. Im August 2025 erließ Algerien ein Präsidialdekret, mit dem dieser Vorbehalt offiziell aufgehoben und das nationale Recht an internationale Normen angepasst wurde.

Nationaler Frauentag und der Wettfrauentag in Marokko

Der 10. Oktober 2003 ist für viele Feministinnen und Menschenrechtsaktivisten in Marokko ein historisches Datum. An diesem Tag kündigte König Mohammed VI. von Marokko eine fundamentale Reform des Familienrechts („Moudawana“) an, die einen Wendepunkt für die Rechte von Frauen im Land darstellte. Diese Ankündigung zielte darauf ab, die rechtliche Stellung der Frau erheblich zu verbessern und sie aus der rechtlichen Vormundschaft des Mannes zu befreien. Seither bietet der jährlich am 10. Oktober begangene Nationale Tag der marokkanischen Frau eine besondere Gelegenheit, die Fortschritte des Königreichs bei der Förderung der Frauenrechte und ihrer Teilhabe an der Entwicklung Marokkos hervorzuheben. Im ganzen Königreich organisieren bei der UNFM (Union Nationale des Femmes au Maroc/Nationale Union marokkanischer Frauen) akkreditierte Organisationen sowie Frauenhäuser und Ausbildungszentren zahlreiche Sensibilisierungsveranstaltungen und Diskussionsrunden zu verschiedenen Themen, die der Stärkung der Frauenrechte dienen.

Derweil ist 8. März ist in Marokko kein gesetzlicher Feiertag, aber ein wichtiger Aktionstag, der mit Veranstaltungen rund um den Kampf gegen Diskriminierung, Bildung für Mädchen und Reformen sowie Blumen für Frauen begangen wird. 

Nationaler Frauentag und der Weltfrauentag in Tunesien

Tunesien gilt in der Region als Vorreiter der Frauenrechte. Am 13. August 1956 wurde der progressive Code du Statut Personel (CSP) verabschiedet, der ein Jahr später offiziell zum “Nationalen Frauentag” erklärt wurde. Das Gesetz schaffte die Polygamie ab, schrieb die beidseitige Zustimmung zur Ehe vor und führte die gerichtliche Scheidung ein. Während der 13. August die historische Errungenschaft feiert, ist der 8. März in Tunesien ein Tag des sozialen und politischen Protests und Forderung der Umsetzung der 2014 in der neuen Verfassung explizit beschlossenen Gleichstellung von Männern und Frauen.

Podiumsdiskussion – Frauen aus dem Maghreb in Deutschland: Erfahrungen, Herausforderungen und Perspektiven

Nach dem Ausflug in die Geschichte und Bedeutung des Weltfrauentages bat Jutta Höflich die Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion auf die Bühne: Raudha Djelassi und Bouchra Sabil– zwei beeindruckende Frauen, die eine als Tochter tunesischer Eltern in Hamburg geboren und aufgewachsen, die andere im Alter von 18 Jahren aus Marokko nach Deutschland gekommen; die eine ohne, die andere mit Kopftuch. Während Raudha Djelassi ein Zahlenmensch und im Risikomanagement tätig ist, hat Bouchra nach dem Erwerb der deutschen Sprache eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten absolviert. Im Anschluss war sie 13 Jahre lang auf einer neurologischen Station tätig, nahm an verschiedenen Mentorinnen- und Mentoren-Fortbildungen teil und übernahm Verantwortung als Schichtleitung. Im Jahr 2021 wechselte sie in die Ambulanz, wo sie die Position als stellvertretende Funktionsbereichsleitung übernahm. Parallel dazu absolvierte sie eine Weiterbildung zur qualifizierten Leitung, um ihre Führungs- und Organisationskompetenzen auszubauen. Beruflich stehen beide Frauen voll im Leben. Und wie steht es um ihr ehrenamtlichen Engagement, wollte Jutta Höflich wissen. Nachdem Bouchra Sabil in vielen Vereinen tätig war richtet sich ihre Priorität auf eine Organisation für Waisenkinder und die Unterstützung von Familien mit chronischen Krankheiten Mitgliedern. Derweil war Raudha Djelassi maßgeblich an der ersten Arab Bazar im Stilwerk im Rahmen der Arabischen Kulturwochen 2025 beteiligt. Anfang Dezember fand dort eine Verkaufsausstellung mit Handwerkskunst aus arabischen Ländern unter der Schirmherrschaft von Ägyptens Generalkonsulin Dahlia Abdel-Fattah Abdel-Wahab statt. Dabei waren vor allem Frauen aus arabischen Ländern, die sich durch ihre Handwerkskunst bzw. mit ihren Handwerksbetrieben zum Lebensunterhalt beitragen oder ein eigenes Leben finanzieren können. Diese zu unterstützen und Brücken zwischen Hamburg und den arabischen Ländern zu bauen sei ihre Herzenzangelegenheit, so Raudha Djelassi. Natürlich gab es auch auf dem Weg zu ihrem heutigen Leben auch Schwierigkeiten, aber sie haben auch immer Unterstützung erfahren. Beide Frauen empfinden Deutschland als ein Land der Möglichkeiten. Dafür müsse man aber auch bereit sein, sich anzustrengen, etwas zu leisten. Zwischen den Erfolgsgeschichten beider Frauen mit maghrebinischem Hintergrund, der friedlichen Atmosphäre unter den Gästen verschiedenster Nationen im Saal und das relativ große männliche Interesse an der Veranstaltung zum Weltfrauentag und der medialen Debatte um Migration in Deutschland stellte die Moderatorin eine große Diskrepanz fest. Was ist also zu tun, um das friedliche Miteinander voller Respekt füreinander in die Gesellschaft zu tragen? Es sollte mehr Möglichkeiten der Begegnung wie an diesem Abend geben, darin waren sich alle einig, denn sie sei der Schlüssel zu einem echten Miteinander.

Als Zeichen der Wertschätzung überreichte der Vorsitzende Dr. Djelloul Aroui im Anschluss an die Podiumsdiskussion Raudha Djelassi, Bouchra Sabil und der Moderatorin Jutta Höflich Blumen sowie eine kleine Aufmerksamkeit. Er dankte ihnen herzlich für ihre offenen, mutigen und inspirierenden Worte.

Abschließend bedankte sich Jutta Höflich bei den wortstarken Diskussionsteilnehmerinnen sowie für das Interesse der Gäste und für die große Unterstützung der männlichen Vorstandsmitglieder bei der Realisierung des maghrebinischen Weltfrauentages im Kulturschloss Wandsbek.

Algerisch-andalusische Klänge von Rachid Haroun und seinem Ensemble

Rachid Haroun und sein Ensemble verliehen der gesamten Veranstaltung eine ganz besondere Seele. Schon mit den ersten Klängen ihrer andalusisch-algerischen Musiktradition verwandelten sie den Raum in einen Ort voller Emotionen. Rachid Haroun überzeugte dabei mit seiner kraftvollen Stimme und seinem meisterhaften Spiel auf der algerischen Mandola. Er zeigte eindrucksvoll, wie die reiche Geschichte Nordafrikas mit modernen Einflüssen verschmelzen kann, um eine lebendige Verbindung zwischen den Generationen zu schaffen.

Das Zusammenspiel innerhalb des Ensembles war perfekt abgestimmt. Akram sorgte an der Darbuka für ein dynamisches Rhythmusgefühl, das den Herzschlag der Musik direkt spürbar machte. Diese Energie wurde durch Jugourtha Amari an der Tar ergänzt, die den Kompositionen eine spürbare Tiefe und Weite verlieh. El Hachemi Ouali setzte an der Gitarre feine Akzente und stellte so die harmonische Verbindung zwischen westlicher Klangästhetik und nordafrikanischem Timbre her.

Gemeinsam schufen die Musiker einen dichten Klangteppich, der die gesamte Veranstaltung wie ein roter Faden durchzog. Ob während der Grußworte oder zwischen den Lesungen, ihre Musik bot dem Publikum immer wieder Momente zum Innehalten und Mitfühlen. So wurde die kulturelle Verbundenheit des Abends nicht nur besprochen, sondern durch den Rhythmus und das Gefühl der Musiker für jeden im Saal hörbar gemacht.

Kunstausstellung  – Algerische Kultur zwischen Farbe und Licht von Yacine Hassini

Parallel zur Veranstaltung und während des Abends wurden Gemälde mit Impressionen aus seiner Heimat des algerischen Künstlers Yassini Hassini im Saal ausgestellt sowie über einen Beamer als Dia-Präsentation gezeigt. Seine Werke ließen Farben, Landschaften und das kulturelle Erbe Algeriens eindrucksvoll lebendig werden. Seine Malerei verband Realismus mit impressionistischen Einflüssen und erzählte Geschichten von mediterranem Licht, maritimen Atmosphären und tief verwurzelten Traditionen. Die Motive reichten von kraftvollen Fantasia-Szenen über architektonische Eindrücke der Casbah bis hin zu stimmungsvollen Küsten- und Landschaftsbildern. Jedes Werk lud dazu ein, die Schönheit Algeriens neu zu entdecken.

Wie im Schlaraffenland – Austausch bei Tajine und typisch algerischem und tunesischen Gebäck

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich bei maghrebinischen Spezialitäten kennenzulernen bzw. auszutauschen. Neben algerischem Tajine mit Oliven, Karotten und Hähnchen überraschte die Deutsch-Tunesischen Freundschaft mit typisch tunesischen Vorspeisen und Kostproben von Carthage Gebäck.

 

 

Frauenliteratur aus dem Maghreb mit der Verlegern Donata Kinzelbach

   Der zweite Teil des maghrebinischen Weltfrauentages im Kulturschloss Wandsbek widmete sich Literatur von Frauen aus dem Maghreb. Dazu begrüßte Jutta Höflich die Verlegerin Donata Kinzelbach und stellte sie kurz vor. Nach ihrem Studium der Komparatistik in Mainz gründete die gebürtige Gerolsteinerin den Verlag Donata Kinzelbach. Der Programmschwerpunkt des Verlags mit Sitz in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz liegt auf Belletristik aus dem Maghreb. Mittlerweile wurden über 100 Werke aus Algerien, Marokko und Tunesien in Übersetzung aus dem Französischen und Arabischen publiziert. Ein wesentlicher Schwerpunkt der verlegerischen Arbeit von Donata Kinzelbach liegt auf der Publikation von Werken starker Autorinnen aus dem Maghreb, die sich mit Emanzipation, Selbstbestimmung und der Rolle der Frau in der islamischen Gesellschaft auseinandersetzen.

Zu den wichtigsten Auszeichnungen von Donata Kinzelbach zählen das Bundesverdienstkreuz am Bande (2008) für ihre Verdienste um die Vermittlung maghrebinischer Literatur und der Muhammad-Nafi-Tschelebi-Preis (2000) für ihr interkulturelles Lebenswerk. Im Jahr 2024 erhielt sie durch den Verein der Frankfurter Immigrationsbuchmesse die Auszeichnung als „Grande Dame der Maghreb-Literatur“.

Nachts unterm Jasmin. Erzählungen aus Algerien von Maissa Beys

Unter Applaus nahm die Grande Dame der Maghreb-Literatur auf der Bühne Platz und bedankte sich für die Einladung. Sie käme immer gerne nach Hamburg. Sie startete ihre Lesung mit einem Auszug aus Maissa Beys „Nachts unterm Jasmin. Erzählungen aus Algerien“. In ihren Erzählungen thematisiert die unter dem 1950 unter dem bürgerlichen Namen Samia Benameur in der Nähe von Algier geborene die vielfältigen Schicksale und Probleme von Frauen und Mädchen. Sie lässt vergewaltigte, entwürdigte, verstoßene, von der Hoffnung auf Liebe enttäuschte Frauen zu Wort kommen. Aber sie kämpfen um ihre Freiheit und um ihre Identität.

Über die Autorin: Maïssa Bey studierte Romanistik und arbeitete als Pädagogin. Im Zuge der blutigen Auseinandersetzungen, die ihr Land während des sogenannten schwarzen Jahrzehnts (1992−2002) erschütterten, brach sie ihr Schweigen und begann unter dem Namen ihrer Großmutter zu schreiben. Maïssa Bey, die sich selbst als »Araberin von Geburt, Kultur und Sprache. Und Muslimin. Tief geprägt von der muslimischen Kultur und Tradition«, bezeichnet, wählt die Literatur, um mehr zu sein als eine stumme, passive Zeugin im Angesicht einer Zeitgeschichte, deren Gewaltsamkeit all ihre Sinne herausfordert.

„Eine Verstoßene geht ihren Weg“ von Leila Abouzeid aus Marokko

Im Weiteren las Donata Kinzelbach aus dem ersten marokkanischen Roman, der das Problem der Scheidung in aller Schärfte thematisiert: „Eine Verstoßene geht ihren Weg“ von Leila Abouzeid. Erstmals 1983 in Rabat erschienen, wurde das Werk 1989 ins Englische übersetzt. 2006 erschien „Das Jahr des Elefanten“ auch in deutscher Sprache unter dem Titel „Eine Verstoßene geht ihren Weg“ in einer Übersetzung von Imke Ahlf-Wien im Donata Kinzelbach Verlag.

Im Mittelpunkt steht Zahra, eine Frau um die Vierzig, die von ihrem Mann verstoßen wurde. Nachdem sie sich in einer kleinen Wohnung eingerichtet hat, lässt sie ihr Leben Revue passieren. Jung und ungebildet hatte sie in den 1950er Jahren einen Französischlehrer geheiratet, dem sie nach Casablanca folgte. Im Gegensatz zu den Frauen aus ihrem Dorf führte sie dort ein Luxusleben. Daneben kämpfte sie gegen das französische Protektorat. Nach der Unabhängigkeit Algeriens erhielt ihr Mann einen angesehenen Posten in der Verwaltung – und seine Frau entsprach nicht länger seinen Ansprüchen. Der Mann beginnt ein Verhältnis mit seiner Sekretärin und verstößt seine Frau. Zahra nimmt schließlich in Casablanca eine Stelle als Putzfrau im französischen Kulturinstitut an – Ironie des Schicksals…

Jasmin – ein E-Mail_Roman von Nadia Sebkhi

Abschließend las die Verlegerin aus dem 2016 in ihrem Verlag 2016 erschienenen E-mail-Roman „Jasmin“ (Originaltitel: La danse du Jasmine) von Nadia Sebkhi. Der Roman widmet sich der Frage, wie ein gewaltfreier Dialog in der islamischen Welt und mit der islamischen Welt möglich sei. Isabelle, eine Journalistin aus Frankreich, hat Algerien am Vorabend der Unabhängigkeit verlassen. Nun, ein halbes Jahrhundert später, kehrt sie mit ihrem Lebensgefährten dorthin zurück. Aus dem Treffen von Isabella und der Schriftstellerin Dania entwickelt sich eine enge Freundschaft. Während Isabelle Bilder und Düfte der Kindheit wiederfindet, fordert Dania unnachgiebig die Emanzipation der Frau. In den ausgetauschten E-Mails beleuchten sie existenzielle Fragen, wie etwa den moralischen Verfall materialistisch geprägter Gesellschaften.

Zur Autorin: Nadia Sebkhi (*23. Januar 1965 in Algier) ist eine algerische Schriftstellerin, Literaturjournalistin und seit 2009 Gründerin und Herausgeberin der Literaturzeitschrift L’ivrEscQ. Sie hat zahlreiche Werke veröffentlicht, darunter Romane, Essays und Gedichtbände. Sie ist außerdem als Redakteurin und Dozentin tätig und hat an zahlreichen nationalen und internationalen Konferenzen teilgenommen, insbesondere solchen, die sich mit Frauenliteratur im südlichen Mittelmeerraum befassen.

Die vorgelesenen Auszüge aus den drei Werken von Autorinnen aus dem Maghreb berührten insbesondere die anwesenden Frauen. Viele von ihnen erlebten Donata Kinzelbach zum ersten Mal und empfanden Bewunderung für die Mainzer Verlegerin und ihr Engagement für Autorinnen aus dem Maghreb, die einige Publikationen aus dem Donata Kinzelbach zum Durchstöbern oder Erwerb mit aus Mainz gebracht hatte.

Nach dem literarischen Teil des Abends bedankte sich der Vorsitzende Dr. Djelloul Aroui bei der Verlegerin Donata Kinzelbach mit Blumen und einem kleinen Geschenk für ihre beeindruckende Lesung. 

Zum Abschluss bedankte sich Jutta Höflich sich bei der Verlegerin, die eine strapaziöse Anreise auf sich genommen hatte, um den maghrebinischen Weltfrauentages im Kulturschloss Wandsbek literarisch zu bereichern.

Und bevor abschließend noch einmal andalusisch-algerische Musik das Kulturschloss Wandsbek einnahm und die Gäste emotional berührte, bedankte sich der Vorsitzende Dr. Djelloul Aroui beim Kulturschloss Wandsbek, der Bezirksversammlung Wandsbek und allen Beteiligten und Mitwirkenden ebenso wie bei seiner Frau Naziha, die die kulinarischen Leckereien zubereitet hatte, sowie beim Service-Team für die freundliche Unterstützung: Mourad, Youcef, Salah, Hakim, Aiman, Hicham, Ilyes, Adam, Bouchra. Zudem sprach er den Fotografen Hafid  und dem Video-Team von Amal, seinen herzlichen Dank aus.

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