Kulturtag Algerien am 1. November 2025 – Ein Fest voller Kultur, Begegnung und Verbundenheit
,Es war ein Fest der Begegnung und des Austauschs, der Kultur und Geschichte Algeriens – der Algerische Kulturtag im Kulturschloss Wandsbek, organisiert von Maghreb Haus e.V. und des Deutsch-Algerischen Kulturverein e.V. Die Veranstaltung im Rahmen der Arabischen Kulturwochen 2025 lud in herzlicher Atmosphäre dazu ein, Algerien, ein faszinierendes Land zwischen Mittelmeer und Sahara, Tradition und Moderne zu entdecken. Dabei stand am 71. Jahrestag der algerischen Revolution (1. November 1954) die Erinnerung an den Befreiungskampf im Mittelpunkt sowie ein offener Dialog über gemeinsame Werte wie Frieden, Toleranz, Gerechtigkeit und kulturelle Verbundenheit. Die Teilnehmenden verschiedenster Herkunft erlebten einen facettenreichen und lebendigen Abend voller Informationen und Eindrücken.
Begrüßung und Willkommen durch den Vorsitzenden und seinen Stellvertreter
Die Gäste wurden traditionell mit Pfefferminztee empfangen, ein Ausdruck herzlicher Gastfreundschaft. Amir Hallouane, stellvertretender Vorsitzender des Maghreb-Haus e.V., eröffnete die Veranstaltung mit einer herzlichen Begrüßung der Gäste und stellte das vielfältige Programm des Abends vor. Mit natürlicher Lockerheit und tiefem Verständnis für die Themen führte er durch die einzelnen Programmpunkte und schuf eine Atmosphäre, die zum Eintauchen in die algerische Kultur einlud. Dank seiner lebendigen Art gelang es ihm, Vorträge, Kunstaustellungen und musikalische Darbietungen fließend miteinander zu verbinden, sodass das Publikum die kulturellen und historischen Inhalte auf ansprechende und zugängliche Weise erleben konnte.
Anschließend übergab er das Wort an den Vorstandsvorsitzenden Dr. Djelloul Aroui, der die zahlreichen Gäste im Kulturschloss Wandsbek herzlich willkommen hieß. Dabei erinnerte er an den Mut und die Entschlossenheit des algerischen Volkes, seine Freiheit und Würde wiederzuerlangen. Ebenso erinnerte er an die zahlreichen Opfer des bewaffneten Widerstands im Glauben an Gerechtigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung. Zu ihrem Gedenken erhoben sich die Anwesenden zu einer Schweigeminute, während die algerische Nationalhymne ertönte. Das Erbe, so der Vorsitzende, inspiriere den Weg des Aufbaus, des Fortschritts und der Einheit fortzusetzen. Abschließend bedankt sich Dr. Aroui für die finanzielle Unterstützung der Bezirksversammlung Wandsbek sowie bei allen helfenden Händen beim Aufbau, der Dekoration und in der Küche, ohne die Kulturtag Algerien nicht möglich gewesen wäre, und beim Kulturschloss Wandsbek.
Grußworte von S.E. Larbi El Hadj Ali, Botschafter der Demokratischen Volksrepublik Algerien
Anschließend überbrachte Hassan Mansour, Konsul der Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Algerien in Berlin, die Grußworte von S.E. Larbi El Hadj Ali, Botschafter der Demokratischen Volksrepublik Algerien in Berlin, der bedauerte, nicht persönlich dabei sein zu können. In seinem Grußwort bezeichnete der Botschafter die Feier des Algerischen Kulturtages als eine Brücke, die die Algerier mit ihren Wurzeln, mit ihrem kulturellen Erbe und unseren ursprünglichen Werten verbindet. Zudem spiegele sie die tiefe Verbundenheit der Algerier in Hamburg und ganz Deutschland wider, ihre enge Beziehung zu ihrem Herkunftsland zu pflegen und von Generation zu Generation weiterzugeben. Durch gezielte kulturelle Programme fördern sie das kulturelle Bewusstsein der jungen Generation und machen sie zu echten Botschaftern ihres Herkunftslandes. Zudem lobte es die Feier als Ausdruck des gemeinsamen Engagements, die algerisch-deutschen Beziehungen in ihrem menschlichen und kulturellen Aspekt zu stärken. Bezüglich des Anlasses der Veranstaltung ließ er wissen, dass die Begehung des Jahrestages der Algerischen Revolution in der Diaspora, die Bekräftigung der Treue zu den November-Werten bedeute, auf denen das unabhängige Algerien gegründet wurde: Geduld, Standhaftigkeit und der unerschütterliche Wille eines Volkes, ds für seine Freiheit und nationale Unabhängigkeit kämpfte. Abschließend wünschte er allen Teilnehmenden einen angenehmen Abend und viel Freude mit dem Programm.
Das Grußwort wurde auf Arabisch verlesen. Die Übersetzung ins Deutsche trug Mourad Bekakcha, Sportbeauftragtes des Deutsch-Algerischen Kulturverein e.V., vor.
Algeriens Weg zur Freiheit – 1. November 1954. Vortrag von Dr. Djelloul Aroui

In einem bewegenden Vortrag beleuchtete Dr. Djelloul Aroui den Algerienkrieg und seinen historischen Kontext, Aufgrund seiner günstigen strategischen Lage am Mittelmeer musste das Land sieben Invasionen überstehen. Zuerst kamen die Phönizier, die entlang der Mittelmeerküste Handelsposten gründeten, gefolgt von den Römern, die zahlreiche Städte errichteten. Die Vandalen herrschten etwa 100 Jahre, bevor sie von den Byzantinern besiegt wurden. Nach der byzantinischen Epoche erfolgte die arabische Eroberung. Mit Beginn der Reconquista schützten die Osmanen Algier vor den spanischen Angriffen und blieben rund 300 Jahre im Land. Am brutalsten jedoch war die Zeit der französischen Kolonialherrschaft von 1830 bis 1962.
Widerstand und Aufstände gegen die Kolonialherrschaft
Das algerische Volk leistete mutigen Widerstand gegen die französische Kolonialherrschaft – angeführt von Persönlichkeiten wie Emir Abdelkader, Lalla Fatma N’Soumer, Cheikh El Mokrani und Cheikh Bouamama. Diese Führer vereinten Glauben, Mut und Patriotismus im Kampf für die Freiheit ihres Landes.
Emir Abdelkader führte über 15 Jahre lang einen entschlossenen Widerstand gegen die französische Armee, wurde 1847 gefangen genommen und nach Frankreich deportiert. Nach seiner Freilassung 1852 lebte er im Exil in Damaskus, wo er später tausende Christen vor einem Massaker rettete.
Nach seiner Niederlage setzte Lalla Fatma N’Soumer (1851–1857) den Widerstand im Kabylei-Gebirge fort. Sie führte mehrere erfolgreiche Aufstände an und wurde zum Symbol des Mutes und der Würde algerischer Frauen.
Cheikh El Mokrani, unterstützt von Cheikh El Haddad, organisierte 1871 den größten Aufstand gegen die Kolonialmacht und das diskriminierende Crémieux-Gesetz. Nach seiner Ermordung wurden viele Freiheitskämpfer, darunter sein Bruder Boumezrag, verhaftet und nach Neukaledonien deportiert – ein tragisches Kapitel, das den unerschütterlichen Freiheitswillen des algerischen Volkes bezeugt.
Cheikh Bouamama führte Ende des 19. Jahrhunderts in der westlichen Provinz Algeriens einen langanhaltenden Widerstand gegen die französische Kolonialherrschaft und wurde zum Symbol des hartnäckigen Freiheitskampfes im Süden des Landes.
8. Mai – Befreiung für Europa – Trauma für Algerien
Nach dem Ersten Weltkrieg entstand in Algerien der algerische Nationalismus, vertreten durch führende Persönlichkeiten wie Messali Hadj, Abdelhamid Ibn Badis und Ferhat Abbas, die unterschiedliche Ziele verfolgten:
Messali Hadj: Setzte sich für die uneingeschränkte Unabhängigkeit Algeriens ein.
Abdelhamid Ibn Badis: Befürwortete die Zugehörigkeit zu Frankreich, jedoch mit Erhalt einer eigenständigen algerischen Identität, wobei Arabisch als Sprache und Islam als Religion zentrale Elemente waren.
Ferhat Abbas: Strebte politische Gleichstellung und Assimilation innerhalb Frankreichs an, ohne die kulturelle Identität Algeriens vollständig aufzugeben.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 nährte erstmals die Hoffnung auf Unabhängigkeit. Versprechen von Freiheit und Selbstbestimmung sowie ihre Beteiligung an der Seite Frankreichs nährten die Erwartung einer Emanzipation – doch diese Hoffnungen wurden bitter enttäuscht.
In seiner Rede in Brazzaville 1944 versprach Charles de Gaulle Emanzipation und Reformen in den französischen Kolonien, was bei vielen Algeriern Hoffnungen weckte. Die von Roosevelt und Churchill unterzeichnete Atlantik-Charta 1944 proklamierte Freiheit und Selbstbestimmung für alle Völker und weckte Hoffnungen in den Kolonien. Hunderte Tausende Algerier kämpften an der Seite Frankreichs für die Befreiung Europas und hofften als Gegenleistung auf mehr Rechte und Anerkennung.
Doch während in den Straßen von Paris, London und anderen europäischen Städten die Menschen das Ende eines sechsjährigen Krieges am 8 Mai 1945 feierten , erlebte Algerien ein traumatisches Massaker. In Sétif, Guelma und Kherrata eröffneten französische Kolonialkräfte und Milizen das Feuer auf friedlich demonstrierende Algerier, die für ihre Rechte eintraten. 45.000 algerische Zivilisten starben.
Dieses Ereignis vereinte die verschiedenen nationalistischen Strömungen und festigte die Erkenntnis, dass nur ein bewaffneter Kampf die Rechte und die nationale Souveränität wiederherstellen könne. Die Nationale Befreiungsfront (FLN) wurde zum zentralen Träger dieses Widerstands und vereinte verschiedene politische Strömungen unter dem Banner der Unabhängigkeit. Der 1. November 1954 markierte dann den entscheidenden Wendepunkt, den Beginn des bewaffneten Kampfes, getragen von Hoffnung, Opferbereitschaft und dem unerschütterlichen Willen zur Unabhängigkeit. Dr. Aroui erinnerte an die Stärke, den Zusammenhalt und die Standhaftigkeit eines Volkes, das durch Leid gewachsen ist und heute stolz und frei in die Zukunft blickt.
Der Krieg, der bis 1962 dauerte, zählt zu den blutigsten Befreiungskriegen des 20. Jahrhunderts und war geprägt von massiver Unterdrückung und schweren Menschenrechtsverletzungen. Rund 500.000 französische Soldaten kämpften acht Jahre lang gegen die ALN. Brutale Repression und Menschenrechtsverletzungen waren an der Tagesordnung. Es gab zahlreiche Tote durch Folter, Hunger, Gewalt und Internierung, Guillotine, Folterzentren, Internierungslager, Massaker. Insgesamt verzeichnete man 1,5 Mio. Todesopfer. Zudem wurden 2 Mio. Algerier zwangsumgesiedelt, tausende Dörfer zerstört. Etwa 1 Mio. Pieds-Noirs (französische Siedler) verließen nach der Unabhängigkeit Algerien. Algerien galt offiziell als Teil Frankreichs, nicht als Kolonie. Hinzu kamen erhebliche Langzeitfolgen. Die vier oberirdischen Atomtests in den Jahren 1960/61 in Reggane verseuchten die Sahara und verursachen bis heute schwere Gesundheitsschäden wie Krebserkrankungen, Unfruchtbarkeit und genetische Mutationen. Auch die Umwelt ist stark betroffen: die Sahara ist kontaminiert, Fauna und Flora leiden unter den anhaltenden Strahlungsschäden, und Arten wie der Berberlöwe wurden ausgerottet. Die Kolonialzeit hat die algerische Identität sprachlich und kulturell tief geprägt und prägt die Gesellschaft Algeriens bis heute in vielen Bereichen.
Versöhnung zwischen Frankreich und Algerien
Erschwerend kommt hinzu, dass Frankreich erst spät begonnen hat, seine Rolle im Algerienkrieg anzuerkennen. Erst 1999 hat der damalige Präsident Jacques Chirac den „Krieg ohne Namen“ zum „Algerienkrieg“ erklärt. Es dauerte fast 20 weitere Jahre bis Frankreich das „System“ Folter im Algerienkrieg zugab. Präsident Emmanuel Macron bezeichnete 2018 die Ereignisse als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, ohne jedoch eine offizielle Entschuldigung auszusprechen. Er ordnete die Öffnung der Archive an, um die Schicksale zahlreicher Verschwundener zu untersuchen. Schließlich setzt eine echte Aussöhnung und eine gemeinsame Zukunft eine ehrliche Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit voraus.
Algeriens zentrale Rolle für Afrika
In Afrika ist Algeriens Kampf für die Unabhängigkeit ein Vorbild für andere Freiheitsbewegungen. Dank seiner politischen Führung konnte sich das Land als wichtige Stimme der blockfreien Staaten etablieren. Das unabhängige Algerien zeigte sich solidarisch mit anderen antikolonialen Bewegungen. In den 1960er- und 70er-Jahren wurde Algier zur Hauptstadt der antikolonialen Bewegungen – ein Ort der Solidarität, Vision und Revolution. Zudem gehörte Algerien zu den treibenden Kräften bei der Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), an dessen 50. Jahrestag am 23. Mai. 2013 Algerien Schulden in rund 1 Milliarde US-Dollar für 14 afrikanische Staaten erlassen hat.
Deutschland und Algerien
Mit Spenden, logistischer Hilfe und Zuflucht für algerische Revolutionäre während des Algerienkrieges und der frühen diplomatischen Anerkennung der algerischen Regierung legte Deutschland den Grundstein für die heute guten und freundschaftlichen Beziehungen mit dem größten afrikanischen (2,381.740 Quadratkilometer und 43,9 Mio. Einwohner), das mittlerweile ein zentraler Energielieferant für den europäischen Markt ist und ein Wirtschaftswachstum von 12 Prozent.
„Die Achtung der Menschenrechte sowie internationale Zusammenarbeit bilden wesentliche Grundpfeiler des Friedens. Gleichheit aller Menschen, unabhängig von Herkunft oder Religion, ist von entscheidender Bedeutung, während Toleranz und Respekt die Basis einer friedlichen Gesellschaft darstellen“, schloss Dr. Aroui seinen Vortrag.
Damit schaffte Dr. Aroui den perfekten Übergang zum folgenden Vortrag über die deutsch-algerischen Beziehungen.
Die deutsch-algerischen Beziehungen – Bilanz und Perspektiven
Das Ziel von Veranstaltungen wie der Algerische Kulturtag dienen nicht nur dazu, die eigene Kultur zu pflegen. Sie möchten insbesondere die deutsche Bevölkerung dazu einladen, eine neue Kultur in all seinen Facetten kennenzulernen. Dabei stellt sich unweigerlich die Frage, wie es auf diplomatischer, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene um die bilateralen Beziehungen bestellt ist. Vorstandmitglied Jutta Höflich mit Erfahrung in Diplomatie und Engagement in der Entwicklungspolitik ist der Frage nachgegangen und präsentierte eine kurze Bestandsaufnahme der deutsch-algerischen Beziehungen.
Die diplomatischen Beziehungen
Seit wann eigentlich bestehen diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Algerien? Die bilateralen Beziehungen reichen in das Jahr1898 zurück. Seinerzeit errichtete das Deutsche Reich ein Generalkonsulat in der damaligen französischen Kolonie Algerien, welches allerdings wegen der beiden Weltkriege bzw. in der Nachkriegszeit von 1914 bis 1926 und von 1939 bis 1956 geschlossen war.
Die Bundesrepublik Deutschland eröffnete in Algerien bereits vor dem Erlangen der offiziellen Unabhängigkeit am 24. April 1956 ein Generalkonsulat in Algier. Am 1. Oktober 1962, knapp drei Jahre nach Erlangen der Unabhängigkeit des früheren französischen Departments wurde das Generalkonsulat zu einer Botschaft aufgewertet.
Aufgrund der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel am 12. Mai 1965 unterbrach die algerische Regierung die diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland. Bis zur Wiederaufnahme der Beziehungen am 21. Dezember 1971 wurden die Interessen der Bundesrepublik Deutschland durch die Schweizer Botschaft vertreten.
Die Demokratische Volksrepublik Algerien ihrerseits nahm 1971 diplomatische Beziehung zur DDR und in den 1970er Jahren zur BRD auf. Nach der Wiedervereinigung wurde die Botschaft in Berlin-Pankow geschlossen und sämtliche Interesse von der Botschaft in Bonn Bad-Godesberg vertreten.
Im Jahr 1999/2000 erfolgte der Umzug nach Berlin. Heute nimmt die algerische Botschaft an der Görschstraße 45-46 im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Kaiserlichen Hauptzollamts eine zentrale Rolle in den bilateralen Beziehungen ein. Dabei reichen ihre Aufgaben weit über die klassischen Funktionen diplomatischer Vertretungen hinaus. Als Symbol algerischer Souveränität auf deutschem Boden ist die Botschaft ein Ort der Verständigung, der Kooperation und des internationalen Austauschs und bietet einen bedeutenden Einblick in die Vielfalt der deutsch-algerischen Beziehungen.
Das Botschaftsgebäude in Bad Godesberg fungierte nach dem Umzug nach Berlin bis zu seiner Schließung am 13. Dezember 2013 als Generalkonsulat. Seit dem 4. Januar 2014 ist Frankfurt am Main Sitz des Generalkonsulats Algeriens. Neben Hessen umfasst der Amtsbezirk die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen umfasst.
Neben den diplomatischen Vertretungen kommen auch Institutionen und Vereinen eine wichtige Rolle als Brückenbauer zwischen den beiden Ländern zu. Deutschland ist in Algerien prominent vertreten mit der Deutsch-Algerischen Handelskammer (AHK), der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), dem Goethe-Institut, der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung. Derweil gibt es in Deutschland neun deutsch-algerische Vereine mit diversen Schwerpunkten, davon mit dem Algerischen ISRAA Verein in Deutschland e.V., dem Deutsch-algerischen Kulturzentrum e.V., dem Deutsch-Algerischen Kulturverein e.V. und dem Maghreb-Haus e.V. allein vier in Hamburg. Bei dieser aktiven algerischen Gemeinde in der Hansestadt dränge sich ein Honorarkonsulat nahezu auf, so die Vortragende. Schließlich sei Hamburg der drittgrößte Konsulatsstandort und böte sich für die Zusammenarbeit im Bereich Wasserstoff als einer der führenden Wasserstoffstandorte geradezu an.
Die politischen Beziehungen
Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Algerien werden als traditionell gut und freundschaftlich eingestuft, die auch in schwierigen Zeiten aufrechterhalten. Die beiden Länder arbeiten aktiv an dem Ausbau der bilateralen Beziehungen. Jüngstes Beispiel ist die Schaffung der deutsch-algerischen Südkorridor-Taskforce und eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Bereich Wasserstoff im Februar 2024 während des Besuchs des damaligen Bundesministers für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck.
Die wirtschaftlichen Beziehungen
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Algerien basieren auf diversen bilateralen Abkommen (investitionsschutz-, Doppelbesteuerungs-, Seeschifffahrts- und Luftverkehrsabkommen) und sind durch einen starken Warenaustausch geprägt. Dabei liefert Deutschland hauptsächlich Fahrzeuge, Maschinen und chemische Erzeugnisse und Algerien hauptsächlich Erdöl, Erdgas und petrochemische Produkte importiert. Im Jahr 2024 lieferte Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von ca. 2,1 Milliarden Euro und importierte für ca. 1,2 Milliarden Euro.
Die Deutsch-Algerische Industrie- und Handelskammer (DAK) zählt mehr als 450 Mitglieder. Neben der 2011 vereinbarten „Gemischten Wirtschaftskommission“ bildet die 2015 eingegangene Energiepartnerschaft ein weiteres Forum für Wirtschaftskontakte zwischen Deutschland und Algerien.
Entwicklungszusammenarbeit und kultureller Austausch
Über die Enzwicklungszusammenarbeit und den kulturellen Austausch wurde berichtet, dass Algerien 2020 zum Partnerland für die bilaterale deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit den Schwerpunkten nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung, Beschäftigung, Klima und Energie aufgewertet wurde. Des Weiteren sei vorgesehen, im Kernthema „Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ zusammenzuarbeiten. Kernanliegen dieses Projektes ist es, die kommunalen Dienstleistungen näher an alle Bevölkerungsgruppen zu bringen.
Im Bereich Kultur sei die Zusammenarbeit seit 2008 zwischen dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) und dem Nationalmuseum Cherchell im Bereich der Restaurierung archäologischer Objekte, der Ausbildung von Personal sowie bei der Reorganisation des Museums ein Paradebeispiel. Im Februar 2025 eröffnete die damalige Staatsministerin des Auswärtigen Amtes Katja Keul das restaurierte Museum ca.90 Kilometer nordwestlich von Algier.
Das Inkrafttreten des bilateralen Kulturabkommens seit dem 11.02.2025, welches am 13.06.2022 unterzeichnet wird, soll die Basis für die Vertiefung der kulturellen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit sein.
Ein Baustein hierfür bildet gewiss eine Initiative des Auswärtigen Amts, das weltweite Netzwerk PASCH „Schulen: Partner der Zukunft“, das Deutsch als Fremdsprache anbietet. Mittlerweile sind fünf algerische Schulen Teil dieses Partnerschulwerks. Die Zahl der Deutschlernenden hat sich innerhalb weniger Jahre auf 50.000 verdoppelt.
Abschließend wurde all denjenigen, die sich über das Potenzial der Zusammenarbeit mit Algerien informieren möchten, das Buch „Algerien, ein Land holt auf“ empfohlen.
Das Buch von Vorstandsmitglied und Verlegerin Donata Kinzelbach, die an dem Abend leider nicht in Hamburg sein konnte, soll eine positive Perspektive auf das größte Land Afrikas einnehmen, das als wichtiger Energielieferant für Südeuropa gilt, obwohl es in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterrepräsentiert ist. Die Redewendung deutet an, dass Algerien trotz seiner Herausforderungen und einer reichen, aber komplexen Geschichte aufholt.
Algerien – ein Mosaik der Kulturen: Eine kulturelle Betrachtung von Malik Mé
Bereits zum zweiten Mal bereicherte der in Berlin lebende algerische Künstler Malik Mé eine Veranstaltung des Deutsch-Algerischen Kulturvereins in Hamburg. Diesmal begeisterte der in Hussein-Dey, einem bekannten Viertel von Algier, geborene Sohn eines bedeutenden Künstlers, der als „Künstler der Revolution“ bekannt war, mit einer kulturellen Betrachtung Algeriens.
Diese begann mit den Felsmalereien von Tassili n’Aijer, Die Felsmalereien die zu den bedeutendsten Zeugnissen prähistorischer Höhlenmalerei der Welt zählen, Sie liegen in dem rund 80000 qkm großen Nationalpark, der noch heute ein El Dorado für seltene Tier- und Pflanzenarten ist. Sie gehören seit 1982 zum UNESCO- Weltkulturerbe. Schon vor 8000 Jahren entstanden hier um 6000 v. Chr. die ersten Felszeichnungen, die anschaulich die Lebensweise der Menschen damals dokumentieren und ebenso die Flora und Fauna. Es folgte ein Blick auf die Bauwerke der Numidischen Zeit. Zu den wichtigsten numidischen Bauwerken in Algerien zählen die Ruinen der Stadt Tiddis, eine numidische Siedlung, die von den Römern umgestaltet wurde und sich in der Nähe von Constantine befindet. Auch die Reste der Stadt Cirta des heutigen Constantine, stammen aus der numidischen Zeit, wurden aber ebenfalls von den Römern umgebaut. Darüber hinaus sind zahlreiche numidische Festungsanlagen im Süden des Landes zu finden, die entlang der Grenze zur Sahara errichtet wurden.
Ebenso machte er die Gäste mit Apulée bzw. Apuleius (* um 123 n. Chr.), einem römisch-numidischen Schriftsteller, Redner und Philosoph der Antike vertraut. Seinen andauernden Ruhm verdankt Apuleius seinem Hauptwerk, dem lateinischen Roman Metamorphosen, auch bekannt als Der goldene Esel, der zur Weltliteratur gezählt wird.
Im Weiterin ging Malik Mé auf die reiche und vielfältige Musikgeschichte Algeriens ein – von der Numidischen Epoche über die Römisch- und Byzanthinische Zeit, die Islamische Expansion und das Mittelalter sowie die Französische Kolonialzeit und die Unabhängigkeit und Moderne. Zudem stellte er typisch algerische Musikinstrumente, so den Rabab, ein Streichinstrument, die Tindi, ein traditionelles Schlaginstrument der Tuareg, der Bendir, eine traditionelle Rahmentrommel, sowie die Zurna, ein Blasinstrument mit Doppelrohrblatt.
Berühmte algerische Dichter und Schriftsteller
Im Folgenden wurde das Publikum mit berühmten algerischen Schriftstellern bekannt gemacht, etwa mit dem berühmten Berberdichter aus der Kabylei in Algerien Si Mohand ou-Mhand n At Hmadouch (1948-1905), auch bekannt als Si Mhand, und der Tuareg-Dichterin
Dassine welat Yemma. Des Weiteren wurde Moufdi Zakaria (1908-1977) vorgestellt, der sein künstlerisches Wirken in den Dienst des algerischen Nationalismus stellte und mehrmals inhaftiert wurde. Während des Algerienkrieges war er ein wichtiger Propagandist der Nationalen Befreiungsfront (FLN) Algeriens. Genannt wurde auch
Kateb Yacine (1929-1989), der für seine Romane und Theaterstücke in französischer und algerischer arabischer Sprache sowie für sein Engagement für die Sache der Berber bekannt war.
Traditionelle Kleidungsstücke
Viel Aufmerksamkeit gab es auch für Bilder von besonderen Kopfbedeckungen Algeriens. So gilt der Hayak, ein traditionelles algerisches Frauenkleidungsstück, das den gesamten Körper bedeckt und meist weiß oder schwarz ist, als Teil der algerischen Kulturgeschichte und Identität. Er wird sowohl im Alltag als auch zu besonderen Anlässen oder bei Demonstrationen getragen. Der Tagelmust ist ein traditioneller Gesichtsschleier und Turban, der von den Tuareg in der Sahara getragen wird, auch in Regionen Algeriens, und als Schutz vor Sonne, Wind und Sand dient. Er besteht aus einem langen Stofftuch, oft indigoblau, das kunstvoll um den Kopf gewickelt wird und eine symbolische Bedeutung als Ausdruck der Identität und Kultur hat. Er wird von Männern ab der Jugend getragen. Derweil ist die M’taya ein Symbol der weiblichen Kultur im Osten des Landes.
Am Ende seines Vortrages stellte der Künstler ein eigenes Projekt vor: Bab Dzair, Neo-maurische Kunstwerke inspiriert von der maurischen Baukunst Algeriens.
Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Mauren, einem Berberstamm, der große Teile Nordafrikas und der iberischen Halbinsel beherrschte, und der Islamisierung der Berber im 7. Jahrhundert ging er auf die Materialien und Techniken ein.
Materialien und Techniken
Die einzigartige Technik zeichnet sich dadurch aus, die traditionellen Elemente zu miniaturisieren und modernisieren. Verwendet wird eine Vielzahl von Materialien wie Keramikpulver, Holz (oder MDF), Metall und andere, um Werke zu schaffen, die traditionelles Handwerk mit künstlerischer Innovation verbinden. Jedes Stück erzählt eine Geschichte – die Geschichte eines lebendigen Erbes, das neu interpretiert und an die heutige Zeit angepasst wurde.
Verbindung zu Algerien
„Bab Dzair“ ist nicht nur eine Hommage an die algerische Architektur, sondern auch eine Feier des Handwerks und der lokalen Kunstfertigkeit. Das Projekt hat eine starke kulturelle und geschichtliche Dimension und zielt darauf ab, die algerische Identität durch Kunst auf internationaler Bühne zu fördern. Mit der Teilnahme an Festivals und Ausstellungen weltweit möchte „Bab Dzair“ Algerien ins Rampenlicht rücken, indem es einem breiten Publikum eine oft übersehene Facette seines künstlerischen und architektonischen Erbes zeigt.
Mit diesem Projekt möchte Malik Messabihi nicht nur den Stolz der Algerier auf ihr kulturelles Erbe neu entfachen, sondern auch ein internationales Publikum dazu einladen, die Vielfalt und den Reichtum der algerischen Architektur aus einer neuen Perspektive zu entdecken. Indem er diese historischen Elemente in einen zeitgenössischen künstlerischen Kontext setzt, zeigt der Künstler, wie die Vergangenheit die Gegenwart inspirieren und zur kreativen Zukunft beitragen kann.
Das Projekt „Bab Dzair“ hat zudem das Ziel, Brücken zwischen den Kulturen zu schlagen, indem es Tradition und Moderne, Ost und West miteinander in Dialog bringt. Durch die Ausstellung seiner Werke in ganz Europa und an diesem Abend im Kulturschloss Wandsbek hofft Malik Messabihi, ein besseres interkulturelles Verständnis zu fördern und die Kunst als verbindendes Element zwischen den Menschen zu nutzen.
Marion Beckhäuser – Interkulturelle Begegnungen – Das panafrikanische Festival in Algier
Als letzter Beitrag war die Präsentation von Aufnahmen des panafrikanischen Festivals in Algier von Marion Beckhäuser, die als freiberufliche Weltenbummlerin für National Geographic Deutschland, Geo Saison, Merian, Stern, Cosmopolitan und andere Magazine sowie Hilfsorganisationen wie Plan International Reportagen und Geschichten fotografiert und eine besondere Affinität zu Algerien hegt. Aufgrund technischer Schwierigkeiten war dies leider nicht möglich und soll bei einer der nächsten Veranstaltungen nachgeholt werden. Dafür zeigte Marion Beckhäuser zahlreiche andere Aufnahmen aus Algerien, die bei den einen die Nostalgie, bei den anderen das Fernweh weckte
Musik – Ein klangvoller Faden des Abends
Den gesamten Abend über sorgten Rachid Haroun und sein Ensemble für die musikalische Begleitung, die der Veranstaltung eine besondere Atmosphäre verlieh. Schon zu Beginn erfüllten ihre Klänge das Kulturschloss Wandsbek und schufen einen emotionalen Rahmen, der das Publikum von der ersten Minute an in die Welt der andalusisch-algerischen Musiktradition entführte.
Rachid Haroun, ein in Berlin lebender algerischer Musiker, ist bekannt für seine warme, kraftvolle Stimme und sein virtuoses Spiel auf der algerischen Mandola – einem Instrument, das tief in der musikalischen Geschichte Nordafrikas verwurzelt ist. Seine Musik steht für den Dialog zwischen Tradition und Moderne: Er verbindet die reiche andalusisch-algerische Erbschaft mit zeitgenössischen Einflüssen und schafft so eine lebendige Brücke zwischen Kulturen und Generationen.
Begleitet wurde er von einem eingespielten Ensemble:
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Toufik Benbessa an der Darbuka, dessen dynamisches Rhythmusgefühl den Herzschlag der Musik spürbar machte,
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Jugourtha Amari an der Tar, die durch ihre warmen Klänge Tiefe und Weite in die Kompositionen brachte,
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El Hachemi Ouali an der Gitarre, der mit seinem feinen Spiel die Verbindung zwischen westlicher Klangästhetik und nordafrikanischem Timbre herstellte.
Gemeinsam entfalteten sie einen musikalischen Teppich aus Rhythmus, Klang und Gefühl, der jeden Programmpunkt begleitete – von den Grußworten bis zu den Vorträgen und Lesungen. Ihre Musik schuf dabei immer wieder Momente der Einkehr, des Mitfühlens und des Wiedererkennens – ein akustischer Ausdruck jener kulturellen Verbundenheit, die den Abend prägte.
Kunstausstellung ausgewählter algerischer Künstler – Kunst als Spiegel kultureller Identität
Ein weiterer besonderer Programmpunkt des Abends war die Ausstellung „Kunst als Spiegel kultureller Identität“, die ausgewählte Werke vier bedeutender algerischer Künstler versammelte. Sie bot den Gästen Gelegenheit, die kreative Vielfalt Algeriens im Dialog mit ihrer Geschichte und die Gegenwart zu erleben.

Noureddine Kour: Vertreter der Hurufiyya-Bewegung, verbindet arabische Schriftkunst mit zeitgenössischer Malerei. Seine Werke eröffnen einen neuen Blick auf die spirituelle und kulturelle Dimension der arabischen Buchstaben.
Rachid Talbi: Zeitgenössischer Maler, dessen Arbeiten von Licht, Schatten und einer reichen Farbpalette geprägt sind. Er schafft eindrucksvolle Szenen von Alltag, Fantasie und Natur, die die kulturelle Vielfalt Algeriens widerspiegeln.
Abdelmalek Filah: Künstler und Pädagoge, inspiriert von Impressionismus und Realismus. Mit seinen Darstellungen von Oasen, Dörfern, Pferden und engen Gassen vermittelt er die poetische Tiefe algerischer Landschaften und Lebenswelten.
Mourad Tbarha: Fokussiert auf Licht, Schatten und die Mystik der Wüstenlandschaften. Seine Werke zeigen die Schönheit und Tragik der Sahara und laden die Betrachter ein, die Natur und Kultur der Wüste intensiv zu erleben.
Gemeinsam schufen die Werke dieser Künstler ein vielschichtiges Panorama der algerischen Kunst – ein ästhetisches Zeugnis dafür, wie kulturelle Identität, Erinnerung und ästhetischer Ausdruck untrennbar miteinander verwoben sind.
Couscous, Tajine, Gebäck und Pfefferminztee

Im Anschluss waren alle eingeladen Couscous, Tajine und typisch algerisches Gebäck zu kosten und sich dabei mit alten Bekannten auszutauschen oder neue Bekanntschaften zu schließen. Zudem bestand die Möglichkeit, die „Miniaturausstellung – Eine Miniaturreise durch Zeit, Raum und Kultur“ von Malik Mé und die Kunstausstellung ausgewählter algerischer Künstler: „Kunst als Spiegel kultureller Identität“ zu bewundern.
Als krönender Abschluss des Abends luden Rachid Haroun und sein Ensemble zu einer musikalischen Zeitreise ein, die Tradition und Moderne miteinander verschmolz. Die Zuhörerinnen und Zuhörer wurden mitgerissen von den Rhythmen der Chaâbi– und Andalus-Musik, die von Liebe, Sehnsucht, Freiheit und Stolz erzählten.
Was mit leisen, gefühlvollen Tönen begann, steigerte sich zu einem mitreißenden Finale, bei dem nicht nur mitgeklatscht, sondern auch getanzt wurde. Diese Musik war mehr als nur Begleitung – sie war der Herzschlag des Abends, der die kulturelle Vielfalt Algeriens spürbar machte und das Publikum in einer gemeinsamen Emotion vereinte: Freude, Stolz und Zugehörigkeit.
Fazit: Ein Abend des Erinnerns, Verstehens und Miteinanders
Der Abend war ein voller Erfolg – inhaltlich und organisatorisch rundum gelungen. Er hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll es ist, gemeinsam zu erinnern, voneinander zu lernen und die Zukunft getragen von Verständnis, Respekt und Vielfalt zu gestalten. Die Veranstaltung war ein lebendiges Zeichen dafür, dass Geschichte nicht nur in der Vergangenheit existiert, sondern in jeder Begegnung, jedem Gespräch und jeder Geste weiterlebt.
Mein herzlichster Dank gilt allen, die diesen besonderen Abend möglich gemacht haben:
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Frau Aroui für die liebevoll zubereiteten Gerichte und das traditionelle Gebäck
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Rachid Haroun und sein Ensemble, Jugourtha Amari, Toufik Benbessa und El Hachemi Ouali für ihre mitreißende musikalische Darbietung
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Malik Mé für seine beeindruckende Präsentation über Algerien als Mosaik der Kulturen und sein Projekt Bab-Dzair
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Jutta Höflich für den informativen Vortrag über die deutsch-algerischen Beziehungen
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Marion Beckhäuser für die Präsentation über die Erinnerung an das panafrikanische Festival in Algier
Ein besonderes Dankeschön auch an mein engagiertes Team für die großartige Unterstützung: Amir Hallouane, Jutta Höflich, Mourad Bekakcha, Hakim Imedjdoubene, Mohamed Ghazli, Dr. Taha Hatcha, Donata Kinzelbach, Youcef Badjadi und Salaheddine Boumendjel.
Dieser Abend hat einmal mehr gezeigt, wie stark gemeinsames Erinnern, Verstehen und Miteinander wirken kann – ein Erlebnis, das uns noch lange begleiten wird.








Der
Der
Abdelmalek Filah
In seinen Werken entfaltet sich die mystische Schönheit der Wüstenlandschaften, die der 

Im Anschluss übernahm Dr. Djelloul Aroui das Wort und präsentierte einen tiefgründigen Vortrag über die historische Bedeutung des 8. Mai 1945 aus algerischer Perspektive. Er erläuterte, wie die Kolonialmacht Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg die Unabhängigkeitsbestrebungen der Algerier brutal unterdrückte, obwohl viele Algerier zuvor auf Seiten der Alliierten gekämpft hatten. Dr. Aroui betonte, dass die blutige Niederschlagung friedlicher Demonstrationen am 8. Mai 1945 den Beginn einer neuen Phase des algerischen Befreiungskampfes markierte, der letztlich in den Algerienkrieg und die Unabhängigkeit 1962 mündete.
Musikalisch wurde der Abend von einem hochkarätigen Trio gestaltet: Rachid Haroun verzauberte mit seiner algerischen Mandola und traditionellen Liedern über Liebe und Sehnsucht. Begleitet wurde er von Yacine Kerrar an der Darbuka und Jugourtha Amari an der Tar. Gemeinsam schufen sie eine Atmosphäre, in der Musik zur universellen Sprache wurde – berührend, verbindend und voller Seele.

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Die Literatur aus dem Maghreb ist Donata Kinzelbach seit jeher eine Herzensangelegenheit. Als Verlegerin bringt sie seit 38 Jahren mit dem Donata Kinzelbach Verlag Werke aus Ländern wie Tunesien, Algerien und Marokko dem deutschen Publikum näher. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung und zum besseren Verständnis der Maghreb-Region. Über 100 Titel namhafter Autoren aus diesen Ländern wurden bereits aus dem Französischen und Arabischen ins Deutsche übersetzt. Der Kinzelbach Verlag hat nicht nur bedeutende Werke aus dem Maghreb zugänglich gemacht, sondern auch den interkulturellen Austausch nachhaltig gefördert. Für ihre über 20-jährige Vermittlung zwischen Kulturen wurde Donata Kinzelbach 2008 mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 2024 erhielt sie zudem den Integrationspreis und den Deutschen Verlagspreis für ihr langjähriges Engagement im interkulturellen Dialog und die herausragende Arbeit ihres unabhängigen Verlags.


Begleitend zur Veranstaltung bieten wir kulinarische Köstlichkeiten zum Selbstkostenpreis an. Unsere Gäste begrüßen wir nach algerischer Tradition mit Pfefferminztee. Dieser Tee ist nicht nur ein Getränk, sondern ein Symbol der Gastfreundschaft und ein im Maghreb weit verbreiteter Brauch. Die Nomaden sagen, für die Zubereitung von Tee braucht man drei Dinge: Zeit, Glut und Freunde. Üblicherweise werden drei Gläser gereicht, begleitet von dem Motto: das erste Glas ist stark, kräftig und „bitter wie der Tod„, das zweite ist sanft, mild und „süß wie das Leben“ und das dritte Glas ist süß, lieblich und „geheimnisvoll wie die Liebe„. Nach dem dritten Glas zieht sich der höfliche Gast zurück.















Der Almuhajirin Chor Hamburg vereint traditionelle Nasheeds mit kraftvoller Vokalmusik und der rhythmischen Begleitung des Daf. Sei es a cappella oder begleitet von traditionellen Instrumenten, ihre Darbietungen schaffen ein harmonisches Zusammenspiel von Gesang und rhythmischen Klängen, das die spirituelle Tiefe der Lieder unterstreicht. Die Mitglieder vereinen ihre Stimmen zu einer Klangwelt, die tiefgehende spirituelle Momente hervorruft.



Nach der Begrüßung hieß Dr. Djelloul Aroui, Vorsitzender des Maghreb Hauses und Deutsch-Algerischen Kulturvereines, die Ehrengäste herzlich willkommen und dankte den Ehrengästen für ihre Anwesenheit und Unterstützung. In seiner Ansprache betonte er die tiefe Bedeutung von Yennayer als Symbol für den Kreislauf des Lebens, die Verbundenheit mit der Natur und die Kontinuität der maghrebinischen Kultur. Er hob die zentralen Werte der Amazigh-Kultur – Gastfreundschaft, Toleranz und Respekt vor der Umwelt – hervor und dankte den engagierten Künstlern und Musikern (El-Kelaa Ensemble, Malik Mé und seine Zahratou Walet) sowie dem gesamten Organisationsteam um Jutta Höflich, Amir Hallouane, Mourad Bekakcha, Youcef Badjadi. Sein besonderer Dank galt seiner Frau Naziha Aroui, die mit ihren traditionellen Gerichten und ihrer Unterstützung bei den Vorbereitungen maßgeblich zum Gelingen des Abends beitrug. Mit den traditionellen Neujahrswünschen „Assguass Amggaz! Assguass Ambarki!“ übergab Dr. Aroui das Wort an Seine Exzellenz, Herrn Botschafter Larbi El Hadj Ali.
Dr. Djelloul Aroui präsentierte im Anschluss einen informativen Vortrag über die kulturelle und historische Bedeutung von Yennayer. Er erläuterte den Bezug zum Berberkalender (2975) und erinnerte an den berberischen Pharao Scheschonq I. Er betonte die Bedeutung des Festes für die Stärkung von Gemeinschaft, Geschichte und Identität und würdigte bedeutende Persönlichkeiten, die die Geschichte des Maghreb prägten und das europäische sowie Weltkulturerbe bereicherten: Hannibal Barkas, Juba II, Augustinus von Hippo, Fatima Al-Fihri, Ibn Arabi, Sidi Boumediene, Averroes (Ibn Rushd), Ibn Khaldoun, Leo Africanus, Emir Abdelkader und Cheikh Khaled Bentounes.
Zahratou Walet, eine stolze Touareg-Frau, öffnete ihr Herz und ihre private Schmucksammlung, um uns in die faszinierende Welt der Touareg einzuladen – tief verwurzelt in der Magie der Wüste. Ihre liebevoll handgefertigten Schmuckstücke vereinen Geschichte, Tradition und zeitlose Eleganz. Einige dieser Schätze sind über 200 Jahre alt und tragen die Geschichten ihrer Herkunft in sich. Jedes Stück erzählt von der tiefen Verbundenheit der Touareg mit ihrer Heimat und lässt uns ihre reiche Kultur hautnah erleben. Malik Mé entführte uns mit seiner Präsentation auf eine ebenso inspirierende Reise. Mit Charme und Leidenschaft brachte er uns den kulturellen Reichtum der Touareg näher: ihre kunstvollen Schmucktraditionen, die geheimnisvolle Schrift Tifinagh, die historische Stadt Djanet als Oase von Geschichte und Kultur sowie die alten Felsmalereien im Tassili n’Ajjer. Zusammen mit den Legenden über die Schleier der Touareg-Männer öffneten sie ein Fenster in die spirituelle und kulturelle Tiefe eines Volkes, das seit Jahrhunderten für seine Weisheit, Eleganz und Kunstfertigkeit bewundert wird.


Im Rahmen des Jubiläums blickte Jutta Höflich auf die zehnjährige Geschichte des Maghreb Hauses zurück und hob wichtige Projekte hervor, wie den Stammtisch der Kulturen, die Teilnahme an den Arabischen Kulturwochen in Hamburg, die Maghreb Kulturtage und das Konzert für Toleranz sowie das jährliche Yennayer-Fest und das gemeinsame Fastenbrechen. Besonders hervorgehoben wurde dabei das unermüdliche Engagement des Vereins für den interkulturellen Dialog und die Vermittlung der reichen Geschichte und vielfältigen Kultur des Maghreb.
Im Rahmen der Feierlichkeiten wurden Ehrungen für herausragende Unterstützung und Engagement im Bereich des interkulturellen Austauschs ausgesprochen. Seine Exzellenz, der Botschafter der Demokratischen Volksrepublik Algerien, Herr Larbi El Hadj Ali, der Konsul der Demokratischen Volksrepublik Algerien, Herr Manseur Ahcene, sowie der Konsul der Tunesischen Republik, Herr Nizar Jebabli, wurden für ihre Teilnahme und ihre kontinuierliche Unterstützung des Maghreb Hauses geehrt.


In seinem Vortrag beleuchtet Dr. Djelloul Aroui die Bedeutung von Yennayer als lebendige Tradition und Ausdruck der kulturellen Identität des Maghreb. Er geht auf die zentrale Rolle ein, die Yennayer für die Gemeinschaften des Maghreb spielt, sowie auf die damit verbundenen Rituale und Bräuche. Zudem zeigt er auf, wie Yennayer als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie zwischen Kulturen und Gemeinschaften dient. Der Vortrag veranschaulicht, wie der Maghreb mit seiner reichen Geschichte und vielfältigen Kultur einen wichtigen Beitrag zum europäischen und Weltkulturerbe leistet.
Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt von Bab Dzair, einem Kunstprojekt des 
Zahratou, eine stolze Touareg-Frau, entführt Sie in die Welt der Touareg, einer stolzen Nomadenkultur, die tief in der Wüste verwurzelt ist. Ihre exklusive Schmucksammlung, liebevoll handgefertigt, verbindet Geschichte, Tradition und zeitlose Eleganz. Jedes Stück erzählt von der reichen Kultur der Touareg und ihrer tiefen Verbundenheit zur Wüste. Diese Sammlung ist mehr als nur Schmuck – sie ist ein Fenster in die Seele eines Volkes, das seit Jahrhunderten für seine Kunstfertigkeit und Eleganz bekannt ist. Erleben Sie faszinierende Schmuckkunst und spannende Einblicke in eine einzigartige Nomadenkultur. Zahratou schlägt eine Brücke zwischen Hamburg und der Sahara, zwischen Tradition und Moderne – ein unvergessliches kulturelles Erlebnis!
Begleitend zur Veranstaltung
Moderator Amir Hallouane hieß die Gäste zu Beginn der Veranstaltung herzlich willkommen und gab ihnen einen Überblick über das abwechslungsreiche Programm des Abends. Mit Charme und Fachwissen führte er das Publikum durch die verschiedenen Programmpunkte und schuf eine einladende Atmosphäre, die das Eintauchen in die algerische Kultur ermöglichte. Dank seiner lebendigen und einfühlsamen Moderation gelang es ihm, die Vorträge, Lesungen und musikalischen Darbietungen harmonisch miteinander zu verbinden, sodass die Zuhörer die kulturellen und historischen Aspekte des Abends in vollen Zügen genießen und besser verstehen konnten.
Nach einer kurzen Pause las Donata Kinzelbach, Gründerin des Kinzelbach Verlags, aus Werken algerischer Autoren, die sich mit dem Algerienkrieg und seiner Bedeutung für die algerische Identität auseinandersetzen. Kinzelbach, eine Pionierin der Maghreb-Literatur und Trägerin des Integrationspreises sowie des Deutschen Verlagspreises 2024, setzt sich seit langem für den kulturellen Dialog ein. Sie las Passagen aus „Reparationen im Dreieck Algerien, Frankreich, Deutschland“ von Claus Leggewie sowie aus dem Roman „Ausgeblendet“ von Maïssa Bey. Leggewie skizziert darin Algeriens schicksalhaften Weg von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart und beleuchtet das Verhältnis zwischen Algerien, Frankreich und Deutschland aus verschiedenen Perspektiven. Kinzelbach las zudem aus Maïssa Beys Roman, der von einer zufälligen Begegnung dreier Menschen in einem Zug erzählt, darunter ein ehemaliger französischer Soldat und eine Algerierin, deren Vater im Unabhängigkeitskampf ums Leben kam. Die Begegnung von Täter und Opfer wird hier mit großer psychologischer Genauigkeit dargestellt und hinterlässt beim Leser eine tiefgehende Nachdenklichkeit.
In seinem Vortrag führte Khoudir die Zuhörer von den mittelalterlichen Ursprüngen der Laute bis zu ihrer heutigen Form und Bedeutung. Dabei erläuterte er, wie sich das Instrument im Laufe der Jahrhunderte ständig weiterentwickelte und an verschiedene kulturelle Einflüsse anpasste. Einen besonderen Schwerpunkt legte er auf die andalusische Epoche, deren musikalische Traditionen die algerische Kultur tief geprägt haben. Diese Zeit gilt als eine Blütephase, in der die Oud ein zentrales Element der musikalischen Identität wurde. Ein weiterer Abschnitt seines Vortrags beleuchtete die Rolle der Musik in der französischen Kolonialzeit. Khoudir hob hervor, wie Musikinstrumente wie die Oud in dieser Zeit nicht nur als Kunstwerke, sondern auch als Ausdrucksformen des kulturellen Widerstands gegen die Kolonialmacht dienten. Musik wurde so zu einem unverzichtbaren Bestandteil des algerischen Erbes, das auch in schwierigen Zeiten bewahrt und weitergegeben wurde.
Der Abend bot den Gästen reichlich Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Bei traditionellem Pfefferminztee und landestypischen Köstlichkeiten kamen sie miteinander ins Gespräch und tauchten in die algerische Kultur ein. Kulinarisch wurden algerische Spezialitäten wie Tajine, traditionelles Gebäck und aromatischer Minztee serviert, die den Gästen ein authentisches Geschmackserlebnis boten.



Begleitend zur Veranstaltung bieten wir kulinarische Köstlichkeiten an. Unsere Gäste begrüßen wir nach algerischer Tradition mit Pfefferminztee. Dieser Tee ist nicht nur ein Getränk, sondern ein Symbol der Gastfreundschaft und ein im Maghreb weit verbreiteter Brauch. Die Nomaden sagen, für die Zubereitung von Tee braucht man drei Dinge: Zeit, Glut und Freunde. Üblicherweise werden drei Gläser gereicht, begleitet von dem Motto: das erste Glas ist stark, kräftig und „bitter wie der Tod„, das zweite ist sanft, mild und „süß wie das Leben“ und das dritte Glas ist süß, lieblich und „geheimnisvoll wie die Liebe„. Nach dem dritten Glas zieht sich der höfliche Gast zurück.






