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Einladung zum algerischen Literaturabend

8. November 2019: 19:00 - 22:00

Eintritt frei, Essen und Getränke zum Selbstkostenpreis

Der Stammtisch der Kulturen steht diesmal ganz im Zeichen Algeriens. Am 1. November jährt sich zum 65. Mal der Beginn des Algerienkriegs. Der Algerienkrieg war einer der blutigsten Befreiungskriege des 20. Jahrhunderts und markierte den Anfang vom Ende der 132 jährigen französischen Kolonialherrschaft in Algerien.

Das Maghreb Haus e.V. nimmt den 65. Jahrestag des Ausbruchs des algerischen Befreiungskrieges zum Anlass und lädt recht herzlich zu einem algerischen Literaturabend ein.

Der gebürtige Algerier Dr. Djelloul Aroui, Vorsitzender des Maghreb Hauses e.V., hält einen kurzen Vortrag zum Thema „Gegen das Vergessen – der blutige algerische Befreiungskrieg“.

Die Algerien-Expertin und Verlegerin Donata Kinzelbach gibt Einblicke in die algerische Literaturszene und liest verschiedene Autoren zum Thema „Krieg und Freiheit“.

Der Musikinstrumentenbauer Mohamed Khoudir wird den Literaturabend musikalisch mit dem magischen Klang der Oud umrahmen. Er wird die Geschichte der arabisch-andalusischen Musik und ihre Entwicklung im Maghreb erläutern und anhand musikalischer Stücke das arabische Tonsystem (Maqam) vermitteln.

In der anschließenden Diskussionsrunde soll nicht nur an die koloniale Vergangenheit erinnert werden, sondern ihre Auswirkungen auf die Gegenwart wie Frieden und Freiheit, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung erörtert werden. Für das leibliche Wohl gibt es kulinarische Köstlichkeiten aus der Region zum Selbstkostenpreis.

Vortrag mit Dr. Djelloul Aroui – „Gegen das Vergessen – der blutige algerische Befreiungskrieg“

In seinem Vortrag geht Dr. Aroui auf die eklatanten Menschenrechtsverletzungen während der algerischen Kolonialzeit ein, die unter sozialistischer, liberaler und konservativer Verantwortung in einem Land besonders schwer wogen, das mit Geschichte und Mythos der „droits de l’homme“ – als Herzstück der Französischen Revolution von 1789 – wie kaum ein zweites verbunden war. Der Algerienkrieg steht in den Standarddeutungen für den Verrat einer westlichen Demokratie an ihren eigenen Prinzipien, für brutale Unterdrückung, immense Opferzahlen und die Etablierung systematischer Folter.

Der Algerienkrieg belastet die französische Nation bis heute. Man sollte meinen, dass Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg genug gehabt hätte von Gewalt und Gefechten. Doch nur neun Jahre später befindet es sich mit Algerien im Krieg um dessen Unabhängigkeit. Der Algerienkrieg wurde von 1954 bis 1962 ausgefochten und markierte den Zusammenbruch der französischen Kolonialmacht.

Als wichtigster Bezugspunkt der nationalen Identität Algeriens gilt bis heute der 1. November 1954. In Algerien wird der im November 1954 begonnene und mit der Unabhängigkeit vom Juli 1962 beendete Krieg »Revolution« genannt. Gefeiert wird er als Gründungsakt einer Nation, die ihre Souveränitätsrechte wiedergewonnen hat. Der Algerienkrieg war einer der blutigsten Befreiungskriege des 20. Jahrhunderts – dabei war Algerien offiziell gar keine Kolonie, sondern französisches Staatsgebiet. Der Prozess der Befreiung von kolonialer Herrschaft wird als tiefgreifendes Trauma erlebt: massive Zwangsumsiedlung ländlicher Bevölkerungsteile, Folterpraktiken, willkürliche Inhaftierungen und Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren. Der Algerienkrieg kostete rund 1.5 Millionen Algerier und rund 25.000 Franzosen das Leben. Rund eine Million „pieds-noirs“ verließen verbittert das Land und siedelten sich zumeist in Südfrankreich an.

Lesung mit Donata Kinzelbach

Donata Kinzelbach verlegt vor allem zahlreiche Übersetzungen von Werken algerischer Autoren ins Deutsche. Die Algerien-Expertin Donata Kinzelbach ist die Gründerin des Donata Kinzelbach Verlags in Mainz – dem einzigen Verlag Deutschlands, der sich auf maghrebinische Literatur in deutscher Übersetzung spezialisiert hat.

Donata Kinzelbach liest u.a. Textauszüge aus „Madame Lafrance“ und „Ausgeblendet“ von Maissa Bey sowie aus „Im Aufbruch“ von Amin Khan.

Madame Lafrance von Maïssa Bey

Aus dem Französischen von Christine Belakhdar. Sujets Verlag 2017

Der Roman Madame Lafrance von Maïssa Bey umfasst die 132 Jahre währende Geschichte Algeriens unter französischer Kolonialherrschaft. Die Autorin schildert die HViele Autoren, die in der aktuellen algerischen Literaturszene eine Rolle
spielen, haben pers nliche Erinnerungen an diese Zeit. Es sind einschneidende
Erlebnisse, die sie tief gepr gt haben, und die sie auch heute, kurz vor dem Rentenalter,
immer noch nicht loslassen. Die Romanautorin Maissa Bey verliert ihren Vater 1956. Er
ist Lehrer, wird vor den Augen seiner Familie verhaftet und vom
auptetappen von der Landung der französischen Armada am 14. Juni 1830 über den von Emir Abdel Kader geführten Widerstand bis hin zum blutigen Befreiungskrieg (1954-1962), das Wüten der Terrororganisation OAS und die Ausrufung der Unabhängigkeit, die mit einer Fluchtbewegung nahezu aller Algerienfranzosen einherging. Die Autorin stützt sich auf Tatsachenberichte, sie hat unzählige Zeitungsartikel ausgewertet, Tagebücher und Briefe von zeitgenössischen Autoren gelesen, wie etwa Charles Baudelaire, Albert Camus, Jules Fery, Victor Hugo, Maupassant, Germaine Tillion, Kateb Yacine.

 

Ausgeblendet von Maissa Bey

Aus dem Französischen von Christine Belakhdar, Kinzelbach Verlag 2011

Eine Zugfahrt nach Marseille wird eine Reise zur Wahrheit über den Algerienkrieg. Im Abteil konfrontiert sind ein älterer Franzose, eine Algerierin, die wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat in Frankreich lebt, und ein junges Mädchen, Tochter von Algerien-Franzosen, die ihr gegenüber den Unabhängigkeitskrieg stets totschwiegen. Die Gespräche führen zurück ins Jahr 1957. Der Vater der Algerierin stirbt unter der Folter der Franzosen. Der ältere Herr dient als Rekrut am Ort dieser Grausamkeiten. Man hatte das alles ausgeblendet. Aber die Tatsachen sind stärker, werden bedrängend. Ein Bericht von höchster Intensität, frei von Rachegedanken. Das Buch ist ein wichtiges Dokument humaner Gesinnung.

Über die Autorin Maissa Bey

Maissa Bey, geboren 1950 in Algerien, gehört zu den derzeit meistbeachtesten weiblichen Stimmen der französischsprachigen algerischen Gegenwartsliteratur. Die Autorin von Romanen, Erzählungen, Essays und Theaterstücken ist in Algerien und Frankreich mit zahlreichen Preisen für ihr literarisches Schaffen ausgezeichnet worden. Sie ist Gründerin und Vorsitzende der algerischen Frauenvereinigung „Parole et écriture“. NACHTS UNTERM JASMIN ist der erste, in deutscher Übersetzung erschienene Band mit Texten der Autorin. Im Februar 2011 war Maissa Bey auf einer Lesereise in Deutschland.

„Wirklich erstaunlich, dass es von Maissa Bey noch kein Buch auf Deutsch gab: Sie ist DIE weibliche Stimme der algerischen Literatur, nachdem Assia Djebar ja schon lange nicht mehr in ihrer Heimat lebt. In diesem Erzählband schreibt Maissa Bey über Frauenschicksale in Algerien, die alle ganz unterschiedlich sind und die doch der Geist der Revolte gegen ein Leben in (männlichen) Fesseln eint. Gut, dass Maissa Bey endlich auf Deutsch zu lesen ist!“ (WDR)

 

Im Aufbruch von Amin Khan (Hrg.)

Aus dem Französischen von Tina Aschenbach/Norbert Becker, aus dem Englischen von Tina Aschenbach und aus dem Arabischen von Mohamed Khoudir/Ilyes Senhadji. Kinzelbach Verlag 2019

Seit dem 22. Februar gehen Millionen von Menschen in Algerien auf die Straße. Was sie fordern, sind die Umsetzung humanitärer Werte und die Implementierung einer politischen Führung, die integer die Rechte des Volkes vertritt. Der Band vereint Beiträge zu den Demonstrationen und gibt Einblicke in politische und soziologische Hintergründe.

Mitwirkende Autoren sind: Amin Khan, Idriss Terranti, Feriel Ait-Ouyahia, Mouanis Bekari, Mouloud Boumghar, Lynda Abbou, Mohamed Tadjadit, Farid Chaoui, Tin Hinan El Kadi, Mohamed Magani, Said Djaafer, Akram Belkaid, Sami Benmehidi, Maya Ouaissa, Amel Ouaissa, Nejib Sidi Moussa, Mustafa Benfodil, Neryem Belkaid, Rym Khene, Salah Badis.

Über den Autor Amin Khan

Amin Khan wurde am 1956 in Algier geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaft und Philosophie in Algier, Paris und Oxford. Während seiner beruflichen Laufbahn war er Lehrer, Diplomat und internationaler Beamter. 1989 gründete er die algerische Assoziation für Zukunftsforschung, die er bis 1993 leitete. Zahlreiche Publikationen. Für Arabischer Blues erhielt er 2012 den 1. Mittelmeerpreis für Lyrik sowie den François-Coppée-Preis der Französischen Akademie. Er koordinierte den Sammel-band Présence de Tahar Djaout, poète, der 2013 bei Barzakh erschien, veröffentlichte 2014 den Gedichtband Rhummel bei Apic, Algiers. 2017 veröffentlichte er Gedichte des Monats August und Bittere Tage bei elKalima. Er leitet die Sammelbuchreihe Nous autres, Eléments pour un manifeste de l’Algérie heureuse, die zwischen 2016-2019 bei Chihab erschien.

Über die Verlegerin Donata Kinzelbach

Donata Kinzelbach (*1955 in Gerolstein) ist eine deutsche Verlegerin, studierte Komparatistik in Mainz und gründete dort 1987 den Verlag Donata Kinzelbach. Der Maghreb und seine Autoren ist die Welt, auf die sich der Verlag Donata Kinzelbach seit mehr als 32 Jahren als einziger Verlag für Literatur aus dem Maghreb in Deutschland spezialisiert hat. Bislang liegen über 100 Titel namhafter Autoren aus Marokko, Algerien und Tunesien in Übersetzung aus dem Französischen und Arabischen vor, die vom Donata Kinzelbach Verlag herausgegeben worden sind. Donata Kinzelbach leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung und zum Kennenlernen des Maghreb. Sie erhielt 2000 für ihr Lebenswerk den Medienpreis „Mohammed Nafi Tschelebi“ des Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland Stiftung e.V. (ZIAD) und wurde 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz für besondere verlegerische Verdienste und interkulturellen Einsatz ausgezeichnet.

 

 

Details

Datum:
8. November 2019
Zeit:
19:00 - 22:00
Eintritt:
Eintritt frei, Essen und Getränke zum Selbstkostenpreis

Veranstalter

Maghreb Haus e.V.
Telefon:
015233775808
E-Mail:
info@maghreb-haus.de
Website:
http://maghreb-haus.de

Veranstaltungsort

Kulturschloss Wandsbek
Königsreihe 4
Hamburg, 22041 Deutschland
+ Google Karte
Telefon:
040-68 28 54 55
Website:
http://www.kulturschloss-wandsbek.de/

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